Kanufahrt auf der Stångå
(Südschweden, August 2001)
Abendpanorama auf der Stångå

Mitte August 2001 befuhren wir mit zwei Kanus den Oberlauf der Stångå in Südschweden. Ein beeindruckendes Naturerlebnis. Lt. Kanuführer "Kanuwandern in Schweden" (Edition Elch 1999) sagt der schwedische Paddelexperte Ingvar Ankervik über diese Strecke:

"Die Stångå ist mit ihrer Länge und ihren unzähligen schönen Ecken in dieser alten Kulturlandschaft eine Perle unter den Kanugewässern. Die Strecke Ösjön - Storebro entspricht akkurat dem, was Flusspaddler erwarten, und wird allen Ansprüchen gerecht. Das Wasser ist sauber und die Natur unberührt. Die niedrigen Ufer ermöglichen den vollen Einblick in die Umgebung, die oft Urwaldcharakter hat, wie z.B. in >>Norra Kvills Nationalpark<<."

Zwischen der Einsetzstelle Ösjöfors und dem südlichsten Punkt des Flusses in Storebro waren wir von Samstagmittag bis Montagmittag unterwegs. Für Frühaufsteher und Spätaussteiger ist diese Strecke aber auch in zwei Tagen zu schaffen. Ob es bei höherem Wasserstand (und damit schnellerem Durchfluss) noch schneller geht, kann ich allerdings nicht sagen. Danach genossen wir für drei weitere Tage die abwechslungsreiche Seenlandschaft, die die Stångå südlich von Linköping rund um Rimforsa bildet.
Für alle, die diese Tour nachvollziehen möchten, habe ich die interessantesten Eindrücke und die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

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Das Ziel

Übersichtskarte Südschweden Hier sind Sie richtig

Die Stångå entspringt in Südschweden nordwestlich von Vimmerby. Sie fließt im größten Teil ihres Laufs von Süden nach Norden und bildet dabei eine Kette von Seen. Der Unterlauf der Stångå ist ab dem See Åsunden auch für kleine Schiffe befahrbar und heißt hier Kinda Kanal. Nördlich von Linköping fließt die Stångå in den See Roxen und bildet eine gemeinsame Wasserstraße mit dem Götakanal bis zur Mündung in die Ostsee.

Der Weg zur Stångå
Wir fuhren mit der Fähre Travemünde-Trelleborg nach Schweden und übernachteten nordöstlich von Malmö nahe der Nationalstraße 23. So hatten wir am nächsten Tag ausreichend Zeit, uns mit der Gegend um Vimmerby vertraut zu machen.
Sie erreichen Vimmerby über die Nationalstraße 33 von Westen (Jönköping) und die 34 von Süden (Kalmar).

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Vorbereitung

Orientierung
Besorgen Sie sich in Vimmerby bei der Tourist-Information (Weg ist ausgeschildert) die Karte "Karta Vimmerby Kommun" und das Merkblatt "Wasserwege für Kanufahrer im Gebiet Svartå - Stångå - und Uknadalen" (auf deutsch!). Mit ihrem Maßstab 1:50.000 ist die "Karta Vimmerby Kommun" den BlåKartan 64 und 74 für diese Region an Detailgenauigkeit weit überlegen. Auf dem Merkblatt sind verschiedene Rastmöglichkeiten und die vier Umtragestellen zwischen der Einsetzstelle am Ösjöfors und Vimmerby eingetragen. Darüber hinaus existieren noch weitere Rast- und Zeltplätze, wie wir auf unserer Fahrt feststellten. Es gibt also keinen Grund, das Allemansrätt zu strapazieren und irgendwo wild zu campen. Die Stångå hat im übrigen zumindest bis Storebro eine hervorragende Wasserqualität, sodass es wenig Sinn macht, viel Trinkwasser mitzunehmen. Weitere Informationen finden Sie auch beim schwedischen Kanuführer. Dort einfach die Tour "2" anklicken.

Oberlauf der Stångå Ausschnitt des Merkblatts mit dem Oberlauf der Stångå.
Rot eingetragen sind ein Stück der "Karta Vimmerby Kommun" mit der Einsetzstelle und unsere beiden Übernachtungen am Oberlauf.

Boote leihen
Wir haben unsere Kanus in Kröngården (nördlich von Vimmerby am Krönsee) ausgeliehen. Deren Aluboote sind einfach riesig. Sie fassen locker vier Erwachsene und hatten damit natürlich satt Platz für unser Gepäck. Im Verlauf der Fahrt lernten wir vor allem die Robustheit dieser Boote zu schätzen. Baugleiche Kanus werden auch von Pippis Hotel in Vimmerby vermietet. Hornabergs Camping bietet ebenfalls Kanus an.
Geführte Kanutouren (tagsüber und freitagabends) auf einem Teil des Oberlaufs der Stångå können Sie bei Advena Aktiv in Vimmerby buchen.

Unterkünfte
Als "Basislager" am Oberlauf der Stångå bieten vor allem Vimmerby und Storebro viele Möglichkeiten. Bootsleihe und Hüttenmiete können Sie in Kröngården und Nybble Gård miteinander verbinden. Für den Aufenthalt weiter flussabwärts wählten wir die Jugendherberge Kalvudden in Rimforsa als idealen Standort.

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Auf dem Waldbach

Von Ösjöfors nach Storebro
Alle Kanuführer empfehlen, die Fahrt am Ösjöfors Pappersbruk-Museum zu starten. (Leider hatten wir zu wenig Zeit, um diese 1777 gegründete Papierfabrik zu besichtigen. Der erste Eindruck war aber vielversprechend.) Der Augenschein vor Ort bestätigte, dass ein Einsetzen oberhalb des Museums nur für Wildwasserfahrer und bei Hochwasser interessant sein kann. Am Südende des Museumsgeländes finden Sie die Einsetzstelle am Seeufer des Ösjön. Wenn es dort wie auf dem Bild unten links aussieht, heißt das auch: Für die nächsten Kilometer ist häufiges Waten im Bachbett angesagt, da die Stångå hier bei niedrigem Wasserstand immer wieder sehr seichte Stellen aufweist. Wer nasse Füße scheut, sollte sein Boot dann vielleicht besser erst einige Kilometer südlich an der Nyebro auf der Höhe von Ventzelholm einsetzen.

Wir ließen unser Auto am Museumsparkplatz zurück ... und auf ging?s.

Einsetzstelle am Ösjön Die ersten Meter

Die Stångå fasziniert durch ihren abwechslungsreichen Lauf in einer weitgehend unberührten Landschaft. Schmale Waldtäler wechseln mit breiten Schilfgürteln und offenen Seen. Auch unter Wasser gibt es immer wieder neues zu sehen.

Die Stångå unter Wasser Hier fühlt sich jeder Fisch wohl

Unsere erste Übernachtung fand in Åstad statt, wo die Straße von Ydrefors nach Rumskulla die Stångå überquert. "Wena Lasse Landing" ist zwar weder in der Karte noch im Merkblatt eingezeichnet, bietet aber eine Feuerstelle mit Brennholzstapel, einen Mülleimer und einen "Donnerbalken", der von der Straßenbrücke aus voll eingesehen werden kann.

Regentest für unsere Zelte Aluminium schimmert in der Dämmerung

100 m flußabwärts ist an einem Wehr die erste kurze Umtragestelle (sogar mit einem komfortablen Toilettenhäuschen). Richten Sie sich darauf ein, unterhalb des Wehrs wieder einige sehr seichte Stellen im Fluß anzutreffen.

Bitte aussteigen ... Hier geht es durch ein lichtes Birkenwäldchen

Die Brücken über die Stångå sind wie der Fluss: Sie tauchen überraschend hinter der nächsten Biegung auf, scheinen von nirgendwo nach nirgendwo zu führen und haben ihren ganz eigenständigen Charakter.

Moderne Baustatik in Holz ... ... und das traditionelle Tonnengewölbe

Die zweite Umtragestelle liegt mitten im Wald an den Ruinen der Papiermühle von Brånaholm. 100 m Umtragen waren angesagt. Und auch hier mußten wir nach dem Wiedereinsetzen noch ein paar mal kurz aus den Booten, weil das Wasser zu niedrig war.
Bereits einen Kilometer später erreichen Sie in Mossnäs die dritte Umtragestelle. Wir stiegen nicht bereits an der ersten Anlegemöglichkeit aus, sondern bewältigten die erste Stromschnelle noch per Boot und trugen erst bei der zweiten Stromschnelle um. Dahinter erwartet Sie eine Lagune mit herrlichem Sandstrand.

Ein Blick zurück auf die Stromschnellen ... ... und gleich geht es weiter

Der darauf folgende Rastplatz am Forsjön war so versteckt, dass wir ihn überhaupt nicht registrierten. Umso mehr faszinierten uns die senkrecht aufragenden Felswände am Åsjön, unter denen Mann und Boot ziemlich klein wurden. Vom massiven Gestein hallten die Schreie des Fischadlers zurück, den wir als seltene Eindringlinge in dieser einsamen Landschaft aufgescheucht hatten.

Wie tief es da wohl noch runtergeht? Der nächste Schilfgürtel ist nicht weit

Wenn Ihnen jetzt der Sinn nach einem Fußmarsch und kultureller Abwechslung steht, lohnt sich auf jeden Fall ein Ausflug in das ca. 3 km entfernte Pelarne, wo eine Holzkirche mit Schwedens ältester Holzwand steht. Steigen Sie einfach kurz nach dem Seeende an der Brücke aus, auf der die Nationalstraße 33 die Stångå überquert, und folgen Sie der Straße Richtung Westen bis Pelarne. Der eigenartige freistehende Glockenturm weist Ihnen den Weg zu dem sehenswerten kleinen Dorfkirchlein.

Markante Erscheinung: der Glockenturm von Pelarne Rechts von der Kanzel: die Reste der alten Holzwand Der Blick in die entgegengesetzte Richtung

Falls Ihnen Pelarne gefallen hat, interessieren Sie sicher auch die Holzkirchen in Djursdala (weitere Beschreibung), Frödinge und Tidersrum (siehe Rimforsa/Aktivitäten). Nach der Besichtigung dieser Denkmale sind Sie bereits ein richtiger Holzkirchenexperte.

Einige Kilometer südlich öffnet sich die Stångå zu einem langgestreckten Stausee, der bis Storebro reicht. Den Beginn des Sees markiert eine verwegen konstruierte Holzbrücke, die bei unserem Besuch noch in Bau war. Direkt an der Brücke schlugen wir auf einem wunderbaren Rastplatz unsere Zelte auf. Im Gegensatz zur vorhergehenden Übernachtung war es hier fast frei von Mücken.

Blick nach Süden auf die Stångå Unsere zweite Übernachtung

In Storebro endet der See an einem Staudamm. Hier lädt auf den ersten Blick der komfortable Anleger am leuchtend gelben Gasthof neben dem Stauwehr zum Anlegen ein. Der "offizielle" Ausstieg ist aber weiter rechts in der südwestlichen "Ecke" des Sees. Hier ist auch auf einer Informationstafel der genaue Weg zur Einsetzstelle unterhalb des Wehrs beschrieben. Spätestens jetzt ist ein Kanuwagen unverzichtbar.
Jenseits der Staumauer gibt es eine Jugendherberge und ein Museum des alten Hammerwerks, für das wohl der See angelegt wurde. Achten Sie auch auf die Werft, die für ihre Motoryachten bekannt ist.

Von Storebro zum Krönsee
Hinter Storebro wendet sich die Stångå nach Norden und fließt vorzugsweise durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet, bis sie den Krönsee bildet. Dieses Teilstück des Oberlaufs haben wir nicht befahren, Sie können sich aber auf der Nationalstraße 34 zwischen Storebro und Vimmerby einen guten Überblick über die Landschaft verschaffen, die hier so "schwedisch" ist wie kaum woanders. Denn wer die Stångå befährt, reist durch Astrid Lindgrens Welt. Das wird nirgendwo so deutlich wie in Vimmerby, dem Geburtsort der berühmten schwedischen Kinderbuchautorin. Informieren Sie sich deshalb unbedingt, was man rund um Vimmerby alles erleben und besichtigen kann.

Nördlich von Vimmerby mündet die Stångå in den Krönsee. An seinem Ostufer liegt Kröngården, eine ökumenische Begegnungsstätte mit Kapelle, Restaurant, Kanuverleih sowie Campingmöglichkeit und einer (!) Hütte zum Übernachten. Da Restaurant und Bootsverleih nur ab mittags 12 Uhr besetzt sind und der Bootsverleiher bei unserer Ankunft am frühen Abend bereits wieder nach Hause gegangen war, haben wir diesen freundlichen Menschen nie persönlich kennengelernt. Wir suchten uns unter den Kanus am Strand einfach die besterhaltenen heraus. Am nächsten Morgen lagen Paddel und Schwimmwesten für uns bereit.

Unsere Hütte am Krönsee Abendblick

Der Krönsee selbst erschien uns nicht allzu attraktiv. Da unsere Urlaubszeit beschränkt war, übersprangen wir auch den weiteren Verlauf der Stångå bis Horn und setzten unsere Tour erst wieder in dem See Åsunden fort.

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Rund um Rimforsa

Die Seenplatte der Stångå südlich von Linköping haben wir von der Jugendherberge Kalvudden aus erkundet. Die JH liegt in Rimforsa (Östergötland) direkt am Ufer des Åsunden. Nähere Informationen erhalten Sie auch beim Schwedischen Herbergsverband.

Anreise:
Rimforsa liegt an der Nationalstrasse 34 (Kalmar-Linköping) und an der Eisenbahnlinie Kalmar- Linköping. Wenn Sie mit dem Auto anfahren, folgen Sie in Rimforsa einfach den Wegweisern zur JH. Nach der Überquerung des Kinda-Kanals biegen Sie rechts in einen Landwirtschaftsweg ein (bezeichnet), der direkt zur JH führt. Bitte vergessen Sie nicht, nach dem Passieren die Gattertore wieder zu schließen.

Rimforsa liegt im südlichen Östergötland Der Weg zur JH Kalvudden

Wer mit der Bahn kommt, fragt am besten nach dem Weg zum Kinda-Kanal. Hinter der Kanalbrücke geht ein Pfad am Ufer entlang zu einem Aussichtspunkt. Von hier aus führt der Weg weiter vom Seeufer weg durch ein Wäldchen zur JH.

Aktivitäten:
Die Jugendherberge ist Teil einer größeren Anlage, vergleichbar mit einem Schullandheim. Sie können hier zum Beispiel auch Kanus und Kajaks mieten. Von der JH aus erreichen Sie auf dem Wasser in wenigen Minuten den Järnlunden im Norden (über den Kinda-Kanal) und den Ämmern im Osten.

Die Jugendherberge Kalvudden von der Landseite ... ... und vom See aus gesehen

Fahren Sie zum Beispiel durch den Kinda-Kanal in den Järnlunden zu den Naturschutzgebieten Hackelboö und Viggeby mit vielen Vogelarten und seltenen Insekten. Sehenswert ist dort auch der Hallstad Ängar. Hier ernteten die Bauern regelmäßig das Laub der Linden als Viehfutter, was zum eigenartigen Aussehen der Bäume führte.

Vom Åsunden in den Järnlunden Im Naturschutzgebiet Hackelboö

Südlich der Jugendherberge verbindet ein kleiner Stichkanal den Åsunden mit dem Ämmern. Über dem Kanal erhebt sich Schloss Skedevid, heute eine psychiatrische Anstalt.

Das klassizistische Schlösschen Skedevid Auf dem Ämmern-See

Ausflugsziele:

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Service

Wenn Sie Fragen, Berichtigungen oder Ergänzungen zu dieser Tour haben, schicken Sie mir doch einfach eine E-Mail. Darüber hinaus helfen Ihnen vielleicht auch folgende Links bei der Planung Ihrer Schwedenreise oder Kanutour weiter:

Reisebeschreibungen und Schweden-Infos
Reisebericht von einer Stångån-Tour 2003
Dieser Schweden-Reisebericht (2001) macht Lust auf mehr

Pervan.de - Reiseberichte aus aller Welt
Reiseberichte bei Lycos
ReiseTräume in alle Welt
Der Reisetipp
Die Reisespinne
1001 Reiseberichte

Kanu-/Kajak-Infos
Deutscher Kanu-Verband e.V.
Paddeln in Schweden
Kanutouren in Schweden mit kleinem Kanu 1x1
Verzeichnis der Kanucenter in Schweden

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